Am 23. und 24. September 2016 veranstaltete das Bistum Münster mit über 100 Supervisor*innen anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Masterstudienganges „Supervision / Coaching eine Fachtagung zum Thema: „Veränderte Menschen – Veränderte Welten – Veränderte SuperVisionen. Erträge und Perspektiven“. Diese Jubiläumsveranstaltung bot vielen ehemaligen AbsolventInnen Raum und Zeit zur Wiederbegegnung, zum gemeinsamen Feiern und zur fachlichen Auseinandersetzung mit den gewaltigen Umbrüchen in unserer globalisierten und digitalisierten Gesellschaft, die erhebliche Auswirkungen auch auf die Profession der Supervision mit sich bringen

Diese Jubiläumsveranstaltung bot vielen ehemaligen Absolvent*innen Raum und Zeit zur Wiederbegegnung, zum gemeinsamen Feiern und zur fachlichen Auseinandersetzung mit den gewaltigen Umbrüchen in unserer globalisierten und digitalisierten Gesellschaft. Diese Umbrüche bringen tiefgreifende Veränderungen in allen Lebensbereichen der Menschen mit sich und haben dadurch auch erhebliche Auswirkungen auf die Profession der Supervision. Bereits in den Grußworten berichtete Hans-Bernd Köppen, Domkapitular und Verwaltungsratsvorsitzender der KatHO, von spürbaren Emotionalisierungsprozessen in Gruppen und Teams in den deutschen Pfarrgemeinden vor Ort als Beispiel für die erlebbaren Folgen gesellschaftlicher Veränderungen, die der Münsteraner Dekan und Prorektor Prof. Dr. Martin Klein mit der bereits nicht mehr allzu „neuen Unübersichtlichkeit“ unter Verweis auf Jürgen Habermas in Verbindung brachte. Paul Fortmeier gratulierte als Geschäftsführer der Dt. Gesellschaft für Supervision zum Jubiläum mit dem anerkennenden Verweis auf die hohe Qualität des Studiengangs.

In ihrer Begrüßungsansprache würdigten die beiden Studiengangsleitungen Prof. Dr. Margret Nemann und Prof. Dr. Jörg Baur die unverkennbaren Besonderheiten des Masterstudiengangs. Dabei hoben sie vor allem die genutzten Chancen einer „Doppelstruktur“ hervor, die den Studiengang von Beginn an bis heute charakterisiert: eine praxisbezogene Ausbildung und eine wissenschaftliche Fundierung mit den beiden Abschlüssen Supervision/Coaching und Master of Arts. Die Anerkennung durch die DGSv und durch die Akkreditierungsbehörde AQAS, die Ausrichtung auf die beiden Formate Supervision und Coaching, die Zielgruppe der bistumsinternen und ebenso externen Studierenden sowie die Trägerschaft des Bistums Münster und der KatHO. Nun stellt eine solch durchgängige Doppelstruktur für alle Beteiligten ein durchaus komplexes und damit herausforderndes Lernfeld dar – ein Lernfeld, das sich seit Bestehen auf deutlichem Erfolgskurs befindet, der sich vor allem darin zeigt, wie viele der AbsolventInnen sich auf dem teils umkämpften Supervisions- und Coachingmarkt erfolgreich etabliert haben. Durch Promotionen und Professorierungen einiger Absolvent*innen wurde darüber hinaus die Option verstärkt, auch über die wissenschaftliche Lehre und Forschung einen Beitrag zur Weiterentwicklung und Professionalisierung von Supervision und Coaching zu leisten.

In den drei Hauptvorträgen wurde der Fokus nun auf einzelne Aspekte des gesellschaftlichen Wandels gerichtet. Prof. Dr. Matthias Scharer aus Innsbruck beschrieb die individuellen Veränderungen der Menschen angesichts einer Kultur des Anderen und des Fremden, die eine „multiple Identität“ begründet. Gleichzeitig suchen Menschen nach einfachen Sicherheiten und Orientierungen. Dieses Spannungsfeld zwischen Diversität und Komplexität der soziokulturellen Realität auf der einen und der individuellen Sehnsucht nach Einfachheit auf der anderen Seite gilt es, auch im Kontext der Supervision, in den Blick zu nehmen. Im zweiten Vortrag referierte Prof. Dr. Marianne Gronemeyer über „Die verlorene Unschuld der Dienstleistungsberufe“. Provokant und humorvoll formulierte sie die These, dass das in unserer Gesellschaft vorrangig gewordene Verständnis von Arbeit es unmöglich macht, gute Arbeit zu tun. Auch die Supervision als Dienstleistungsprofession muss sich die Frage stellen, ob sie den Ratsuchenden wirklich nützt oder künstlich Beratungsbedarfe evoziert und sich darüber selbst erhält. Ihr Plädoyer: „Gute Arbeit ist solche, die nicht schadet, sondern nützt.“ Prof. Dr. Hans-Jürgen Seel, Vorstandsmitglied der Dt. Gesellschaft für Beratung, knüpfte an die These der vielfältigen gesellschaftlichen Wandlungsprozesse an. Dabei sind Diversität und Veränderung nicht nur ein Problem der KlientInnen, sondern auch der Supervision als Profession, sodass eine hohe Reflexivität in diesem Beratungsformat unerlässlich ist.

Zwischen den Hauptvorträgen gab es auf dem Podium die Möglichkeit, die Entwicklungsphasen und zukünftigen Perspektiven der Supervision im Bistum Münster sowohl aus der Sicht der Absolvent*innen unterschiedlicher Jahrgänge als auch aus der Sicht der StudiengangsgründerInnen Prof. Dr. Martha Fehlker und Prof. Dr. Lothar Krapohl zu beleuchten, deren Verdienste eine besondere Würdigung erfuhren. Des Weiteren wurden die Fachtagungsteilnehmer*innen mittels verschiedener kreativitätsanregender Partizipationsmethoden aktiviert, eigene Positionen zu beziehen und in einen lebendigen Diskurs zu treten.

Neben dieser fachlich-diskursiven Auseinandersetzung kam auch die Feier des Jubiläums nicht zu kurz, die in stimmungsvoller Atmosphäre im Kreuzgang des Liudgerhauses mitten in Münster bis tief in die Nacht hinein stattfand. Am Ende der Fachtagung gab es stehenden Applaus der TeilnehmerInnen, ein weiterer Ansporn, dieses Erfolgsprojekt bestens aufgestellt in die Zukunft zu führen.

Prof. Dr. Jörg Baur